GEB-Petrus

Gebäudeenergieberatung Andreas Petruschke

Energieausweise

Energieausweise - gesetzlich geregelt

Energieausweise für Gebäude - umgangssprachlich        auch Gebäude-Energiepässe genannt - sind in aller Munde. Seit langem haben Baufachleute und Verbraucherschützer ein Dokument gefordert, welches Aussagen über den energetischen Zustand eines Gebäudes macht und seinen  Energieverbrauch erkennen lässt. Damit soll für Käufer bzw. Mieter mehr Transparenz geschaffen werden, damit diese einen Einblick bekommen, wie hoch die zu erwartenden Energiekosten des Gebäudes ausfallen. So wird der Energieverbrauch als Grundlage der „zweiten Mie­te" und als wertbestimmende Eigenschaft einer Immobilie erkennbar.

Der Deutsche Gesetzgeber hat hierzu neue Reglungen in die Energieeinsparverordnung (kurz: EnEV) eingeführt und ist damit den Vorgaben der EU-Richtlinie 2002/91/EG zur "Gesamtenergieeffizienz von Gebäuden" gefolgt. Die novel­lierte EnEV ist am 01.10.2007 in Kraft getreten. Sie führt auch für Bestandsgebäude Energie-Bedarfsausweise schrittweise verpflichtend ein. Konkret schreibt die Ener­gieeinsparverordnung vor, dass jeder, der eine Immobilie verkauft oder neu vermietet, einen Energieausweis für das Gebäude bzw. die Wohnung „zugänglich machen" muss.

Wohngebäude, die bis Ende 1965 fertig gestellt wurden, brauchen den Energieausweis ab dem 1. Juli 2008, neuere Wohngebäude ab Anfang 2009.

Der Energieausweis enthält auf vier Seiten die wesentli­chen Angaben zum Gebäude, das „Energie-Label" sowie leicht verständliche Vergleichswerte und Modernisierungs­empfehlungen in Form von kurz gefassten fachlichen Hin­weisen. Damit ersetzt der Energieausweis nicht eine fun­dierte Beratung zur Sanierungsplanung; er kann nur einen Sanierungsbedarf aufdecken und erste Hinweise auf Sanie­rungsmaßnehmen liefern.

Energieausweise haben eine Gültigkeitsdauer von zehn Jahren. Sie dienen (lediglich) der Information und ziehen keine unmittelbaren Rechtsfolgen nach sich, also auch keine Sanierungsverpflichtung für Gebäude mit hohem Energiebedarf.

 

Energieausweis - Varianten und Verfahren

Die energetische Qualität eines Gebäudes kann entweder durch die Berechnung des Energiebedarfs unter standardisierten Bedingungen oder durch die Auswertung des witterungsbereinigten Energieverbrauchs ermittelt werden.

Verbrauchsorientierter Energieausweis

Bezieht sich der Energieausweis auf den Energie­verbrauch, so wird dieser für die Heizung und die zentrale

Warmwasserbereitung ermittelt und als Energie­verbrauchskennwert in Kilowattstunden pro Jahr und Quad­ratmeter Gebäudenutzfläche angegeben. Diese kleine Sparversion des Energieausweises fällt vergleichsweise preiswert aus, hat jedoch wenig Aussagekraft. Denn der Verbrauch kann je nach Nutzer enorm schwanken - ein Haushalt mit Senioren, die den ganzen Tag zuhause sind und die einen größeren Wärmebedarf haben, zeigt ein ganz anderes Heizverhalten als z. B. ein berufstätiger Sin­gle, der die ganze Woche beruflich unterwegs ist.

Diese Variante ist auf Betreiben der Wohnungswirtschaft in die EnEV aufgenommen worden, um kostenintensive Un­tersuchungen zu vermeiden. Zur Ermittlung des Energie­verbrauchs werden Verbrauchsdaten aus Heizkostenab­rechnungen oder andere „geeignete Verbrauchsdaten" herangezogen, die auf sachgerecht durchgeführten Verbrauchsmessungen beruhen.

Bedarfsabhängiger Energieausweis

Wesentlich aussagekräftiger ist der bedarfsabhängige Energieausweis. Hier werden bauphysikalische Eigenschaf­ten, vorhandene Heizungstechnik, Wärmeverluste und -Zugewinne berücksichtigt. So lassen sich sinnvolle Sanie­rungsmaßnahmen ableiten. Auf der Grundlage von Bauun­terlagen bzw. gebäudebezogener Daten und unter Annah­me von standardisierten Randbedingungen (z.B. standardi­sierten Klimadaten, Innentemperaturen, inneren Wärme­gewinnen und Nutzerverhalten) wird ein „objektiver" Ener­giebedarf berechnet, der - gerade weil er das Nutze« verhal­ten ausblendet - - nicht mit dem realen Verbrauch überein­stimmt. Die Ermittlung des Energiebedarfs berücksichtigt also die energetische Qualität von Gebäudehülle und Anla­gentechnik und ist daher eine anspruchsvolle Aufgabe.

Eckdaten zum Energieausweis

Bis zum 30. August 2008 können Eigentümer zwischen "Bedarfs"- und "Verbrauchsausweis" wählen. Danach brau­chen Besitzer von Häusern mit weniger als fünf Wohnun­gen und Immobilien, die vor 1977 gebaut wurden, den "Be­darfsausweis". Bei Gebäuden mit mindestens fünf Wohn­einheiten und solchen, deren Wärmeschutz nach der ers­ten Wärmeschutzverordnung von 1977 verbessert wurde, können sich Eigentümer auch nach dem 30. August 2008 frei entscheiden.

Bewertung

Die Möglichkeit, einen Energieausweis „per Ferndiagnose" allein über Verbrauchsdaten und ohne Inaugenscheinnahme durch den Energieausweisaussteller ausstellen zu kön­nen, hat dem Energieausweis viel Kritik eingebracht, was durch die Medien noch geschürt wurde.

In beiden Verfahren kann der Eigentümer die zur Ausstel­lung des Energieausweises erforderlichen Daten bereitstel­len. Auch wenn der Aussteller diese Angaben seinen Be­rechnungen nicht zugrunde legen darf, soweit sie begrün­deten Anlass zu Zweifeln an ihrer Richtigkeit geben, beste­hen hier deutliche Manipulationsmöglichkeiten.

Ein „guter" und aussagekräftiger Energieausweis, aus dem sich auch begründete Modernisierungsempfehlungen ableiten lassen, setzt immer die Bestandsaufnahme am Objekt voraus. In vielen Fällen wird er „Nebenprodukt" einer Ener­gieberatung sein, deren eigentliches Ziel die Reduzierung von Energiekosten ist und nicht die bloße Erfüllung einer gesetzlichen Pflicht.

 

Bedeutung des Energieausweises im Markt

Potenzielle Mieter oder Käufer können sich den Energie­ausweis vom Gebäudeeigentümer vorlegen lassen. Der Eigentümer ist allerdings nicht verpflichtet, den Energie­ausweis von sich aus aktiv ins Verkaufs- oder Vermie­tungsgespräch einzubringen. Ebenso muss er keine Kopie übergeben. Bei Grundstücksverkäufen sollte spätestens der Notar auf den Energieausweis hinweisen, denn er hat gleichermaßen die Interessen von Käufer und Verkäufer zu vertreten. Ein Gebäude mit guten Werten im Energieaus­weis wird also wahrscheinlich besser zu verkaufen bzw. zu vermieten sein als ein Gebäude mit schlechten Energieeffi­zienzwerten. Folglich wird auch vom Markt her eine Nach­frage nach Energieausweisen entstehen.

Andererseits hat der Gesetzgeber mit dem Energieausweis ein ziemlich stumpfes Schwert geschaffen. Ein Manko ist die eingeschränkte Aussagekraft des verbrauchsabhängi­gen Verfahrens, in dem sich das Nutzerverhalten nieder­schlägt. Wer als Bewohner bei offenen Fenstern heizt, treibt so den berechneten Energieverbrauch in die Höhe und zieht den Wert der Wohnimmobilie nach unten. Eine weitere Schwäche ist die mangelnde Kontrolle der Anga­ben. Handwerker und Ingenieure dürfen die Pässe ausstel­len, nachdem ihnen die Eigentümer die entsprechenden Angaben übermittelt haben.

 

 Die Aussteller sind nicht verpflichtet, das Gebäude selber in Augenschein zu nehmen. Das bietet Möglichkeiten, einen Energieausweis missbräuchlich „schön zu färben". Im Extremfall verzichtet ein Billig-Anbieter im Internet gleich auf jegliche Kontrolle. So könnten Energiepässe ausgestellt werden, ohne dass ver­lässliche Nachweise, wie zum Beispiel die Kopie einer Heizkostenabrechnung, vorgelegt werden. Diese Verfah­rensschwächen werden sich herumsprechen und drohen die Wertschätzung des Energieausweises zu schädigen.

Gerade dann aber sollten handwerkliche Energieberater bereit stehen, die ihren Kunden hochwertige und aussagekräftige Ausweise erstellen. Oftmals wird nicht die formale Pflicht im Vordergrund stehen, sondern die fundierte Analy­se und Maßnahmenplanung zur Sanierung und Energiekosteneinsparung.

 

 

Vertrauen ist gut - Vorsicht ist besser!

  • Wer ohne Berechtigung einen Energieausweis oder Modernisierungsempfehlungen ausstellt, handelt gemäß §27 der Energieeinsparverordnung ordnungswid­rig. Dies kann mit einer Geldbuße bis zu fünfzehntau­send Euro geahndet werden.

  • Energieausweisaussteller haften für Ihre Beratungsleistung. Regressansprüche können insbesondere auch dadurch entstehen, dass Energieausweisaussteller als Sachverständige bei der Beantragung von Fördergel­dern im C02-Gebäudesanierungsprogramm der KfW-Förderbank auftreten können. Inhaltliche Fehler oder die fehlende formale Kompetenz des Energieausweisausstellers könnten zu einer Rückforderung bereitge­stellter Fördergelder führen. In der Begründung zur Beschlussfassung der EnEV vom 25.04.2007 im Regierungskabinett beschreibt der Gesetz­geber seine Vorstellung zu Art und Umfang der Fortbildung.

 

    Anerkennung von Ausstellern

Eine besondere Anerkennung von Energieausweisausstel­lern gibt es nicht! Der Gesetzgeber hat hierfür weder Kom­petenzen noch Zuständigkeiten geschaffen.

Wer nach eigener Einschätzung alle Anforderungen erfüllt, wird letztlich „auf eigenes Risiko" am Markt tätig. Eine Überprüfung der formalen Berechtigung, Energieausweise auszustellen, kann allenfalls nachträglich vor Gericht erfol­gen - etwa im Streitfall aufgrund der Beschwerde eines Mitbewerbers oder eines Kunden.

    Von der Pflicht zur Kür - vom Wert der Be­ratung

Energieausweisaussteller aus dem Handwerk stehen also im Wettbewerb mit Akademikern, insbesondere der freien Berufe bzw. aus Architektur- und Ingenieurbüros. Auch Energieversorger, Stadtwerke und größere Unternehmen der Wohnungswirtschaft bieten die Erstellung von Energie­ausweisen an.

Einen Überblick verschafft die Aussteller-Datenbank der dena (Deutsche Energie Agentur), in der zum Jahresbeginn 2008 bereits über 21.000 qualifizierte Fachkräfte registriert waren, die einen gesetzlichen Energieausweis erstellen können.

Für den verbrauchsabhängigen Ausweis finden sich Onli­ne-Angebote im Internet, die konkurrenzlos billig sind -aber auch keine vernünftige Modernisierungsplanung er­lauben


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Energieausweise

Energieausweis berechnet nach Verbrauch:

1/2 Familienhaus
49,00 Euro

3-6 Familienhaus
69,00 Euro

je weitere Wohneinheit
5,00 Euro

 

Energieausweis berechnet nach Bedarf:

1/2 Familienhaus
390,00 Euro

Mehrfamilienhaus
450,00 Euro